Grafik Internationales Wirtschaftsklima (Gross) zum Download.pdf
Grafik Internationales Wirtschaftsklima (Klein) zum Download.pdf
Zweimal im Jahr stellt Euler Hermes, die Konzernmutter von PRISMA, weltweit die wichtigs-ten Branchen auf den Prüfstand. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Abwärtsspirale langsam aufhört sich zu drehen. Nach einem katastrophalen ersten Halbjahr 2009, ist endlich eine Stabilisierung da!“, sagt Bettina Selden. „Dennoch können nur einzelne Branchen mit Wachstumsprognosen ins neue Jahr starten.“
Obwohl die meisten Branchen weiter kämpfen müssen, sehen die Analysten vereinzelte Lichtblicke: Die Sparten Pharmazie, Chemie und Halbleiter können aufatmen. Die Lebens-mittelbranche hat sich als robust erwiesen, will aber zukünftig durch Anpassungen rentabler werden. Bei den IT-Dienstleistungen wird es 2010 auch wieder aufwärts gehen.
„Unser größtes Sorgenkind bleibt weiterhin die Automobilindustrie mit ihren Zulieferern. Die wichtigsten Märkte verzeichnen seit der Krise Absatzrückgänge zwischen 10%-30%“, analy-siert Selden. „Insgesamt denke ich aber, dass die Talsohle hinter uns liegt. Noch weht aller-dings nur ein leichter Aufwärtswind. Die Sonne strahlt erst wieder ab einem Wirtschafts-wachstum von mindestens 2%.“
Die positivsten Meldungen kommen aus China. Das Reich der Mitte hat in der Automobil- und Stahlindustrie wieder das Produktionsniveau der Vorkrisenzeit erreicht und übertroffen. „Nächstes Jahr setzt die Aufwärtsspirale hoffentlich auch bei den anderen Industrieländern ein. Europa wird aber wohl erst Ende 2010 den Kopf aus dem Wasser strecken können“, sagt Selden.
Gesamte Studie zum Download.doc
Die Branchen im Überblick
Lebensmittel: Anpassung, kein Umbruch
Der EU-Anteil an den weltweiten Agrar- und Nahrungsmittelausfuhren fiel in den letzten zehn Jahren von 25% auf 20%. Die Verbraucher reagierten 2009 auf den Rückgang ihrer Kauf-kraft mit einem Wechsel zu billigeren Produkten und Eigenmarken. Essen und Trinken müs-sen die Menschen immer, daher sank die Rentabilität dieser Branche nur um rund ein Vier-tel, während die Margen in anderen Branchen um bis zu 50% fielen. Um die Rentabilitäten zu steigern und weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, werden sich die Anbieter in Zukunft noch stärker konzentrieren.
Unterhaltungselektronik: Die Party ist vorbei
Der Markt der Unterhaltungselektronik hatte im Jahr 2008 ein geschätztes Volumen von knapp unter 340 Mrd. US-Dollar. Dabei sind die durchschnittlichen Verkaufspreise spürbar gesunken. Mit der Wirtschaftskrise ging der Branche die Triebkraft der steigenden Verkaufs-zahlen verloren. Diese haben es aber ermöglicht, den kontinuierlichen Rückgang der Ver-kaufspreise zu verkraften. In Europa lag der Umsatz im 1. Halbjahr 2009 um 12% unter dem Vergleichswert des 1. Halbjahres 2008. 2010 wird die Unterhaltungselektronik mit einer sin-kenden Nachfrage zu kämpfen haben. Die steigende Arbeitslosigkeit ist nicht gerade ein Faktor, der zu einer Wiederbelebung der schwachen privaten Konsumnachfrage beitragen wird. Darüber hinaus werden diese Produkte nicht mehr bloß von japanischen Herstellern angeboten: Es gibt Konkurrenz durch wettbewerbsfähigere koreanische Hersteller, sowie durch innovativere US-Unternehmen wie Apple.
Pharmazie: Robuste Nachfrage und gute Fundamentaldaten
Der weltweite Pharmamarkt (2008 auf 710 Mrd. US-Dollar geschätzt) wächst in der Regel jährlich um etwa 4% bis 5%. Zunehmende Lebenserwartung und steigende Heilungschancen für bislang unheilbare Krankheiten sorgen für diese Steigerung. Zukünftig werden die Ent-wicklungsländer ein lebenswichtiger Wachstumstreiber sein. 2009 soll der Markt um weitere 4% wachsen. Obwohl die Branche 2010 mit schärferen Zulassungsregeln und preissenken-den Generika kämpfen wird, ist das Wachstum durch eine robuste Nachfrage gesichert.
Automobilindustrie: Die Märkte sind gesättigt, Verschrottungsprämie als Rettung in der Not
Die Automobilindustrie, mit ihrem weitreichenden Einfluss, ist das Sorgenkind unter allen Branchen. Jede Region (mit Ausnahme China) verzeichnet einmalige Absatzrückgänge. Die weltweite Produktionskapazität soll derzeit knapp 86 Millionen Fahrzeuge betragen. Verkauft werden aber nur 57 bis 58 Millionen. Es wird mit Sicherheit mehrere Jahre dauern, bis der Absatz wieder das Niveau von vor der Krise erreicht. Obwohl der Markt innerhalb der EU-27 künstlich mit Verschrottungsprämien am Leben gehalten wurde, musste 2009 ein Absatzmi-nus von 10% verkraftet werden. Ein neuerlicher Einbruch von weiteren 10% ist nicht auszu-schließen. Auch bei den Automobilzulieferern hat sich die Situation noch nicht entschärft. Es besteht wenig Hoffnung auf einen Aufschwung im Jahr 2010.
Papier- und Zellstoffindustrie: Neue Marktrealitäten
Die Branche kämpft schon seit Beginn des Jahrzehntes mit chronischen Überkapazitäten. Zudem fallen die Verkaufspreise rascher als die Kosten für Holz und Energie, was einen drastischen Rückgang der Gewinnmargen zur Folge hat. Währenddessen profitieren die amerikanischen Konkurrenten vom schwachen Dollar und lassen sich nicht zweimal bitten, ihre überschüssige Produktion nach Europa zu schicken. Dies könnte umfangreiche Be-triebsschließungen in Europa zur Folge haben.
Chemieindustrie erholt sich vom Sturm
Nachdem der Chemiemarkt zwischen 2004 und 2007 einen dynamischen Aufschwung erlebt hatte, zwangen Auftragsrückgänge in den wichtigsten Kundensegmenten - Automobil, Bau-wirtschaft und Elektronik - den Markt in die Knie. Die Produktion musste im 1. Halbjahr 2009 um 20%-30% zurückgefahren werden. Durch den leichten Aufwärtstrend in der Industriepro-duktion konnte die Branche im 2. Halbjahr 2009 den Kopf wieder aus der Schlinge ziehen. Die Akteure in der Chemiebranche sind froh, die Talsohle überstanden zu haben, werden aber 2010 weiterhin vorsichtig agieren.
Bauwirtschaft: Öffentliche Investitionen als Rettung in der Not
Die Bauwirtschaft, mit einem weltweiten Volumen von 5.600 Mrd. US-Dollar, wird 2009 um 4,9% schrumpfen. 2008 hat die Bauwirtschaft in der Europäischen Union mit einem Wachs-tum von nur 0,2% bereits stagniert, wobei die operativen Margen auf unter 6% gesunken sind. Der Negativtrend hat sich 2009 sogar verstärkt. Irland und Spanien, die ein unverhält-nismäßig starkes Wachstum der Bauwirtschaftsmärkte verzeichnet hatten, gehörten mit Um-satzeinbrüchen von 50% bzw. 25% im Zeitraum 2008-2009 zu den am stärksten betroffenen Ländern. Der Branchenanteil am BIP hat sich innerhalb von drei Jahren halbiert. Darauf folg-te eine Flut von Insolvenzen, insbesondere in Spanien. Einzig in China und Indien wächst die Bauwirtschaft.
Handel: Die Nachfrageschwäche belastet die großen Händler
In den reichen Ländern ist der Lebensmittelhandel eine hochorganisierte Branche. In Europa ist die Konzentration besonders hoch: In den meisten Ländern übersteigt der Marktanteil der wenigen großen Unternehmen gleich 65% (Wal-Mart/USA, Carrefour/F, Metro/D). In Europa beschleunigt die Krise die Verbreitung von Eigenmarken. 2008 erreichte dieses Segment in Deutschland und Spanien einen Umsatzanteil von 40%, in Frankreich waren es 34%. Diese Entwicklung wirkt deflationär und drückt auf den Umsatz. Im Gesamtjahr 2009 dürfte der private Konsum in der Eurozone um 0,9% und in der OECD um 1,2% nachgeben. Die Verbraucher werden wählerischer, was der Lebensmittel- und Bekleidungshandel zu spüren bekommt. Außerdem verschieben die Konsumenten den Kauf teurerer Produkte (zB Einrich-tungsgegenstände). Der Druck auf die Handelsunternehmen nimmt in diesem Umfeld zu. Sie werden daher versuchen, ihre Strukturen anzupassen. 2010 dürfte sich aber der private Konsum in den meisten reichen Ländern erholen und leicht zunehmen.
Luftfahrt: Ein sehr großes Luftloch
Das stark konjunkturabhängige Fluggeschäft musste der weltweiten Rezession einigen Tri-but zollen. In den ersten acht Monaten dieses Jahres ging der Passagierverkehr um 6% zu-rück, das Frachtgeschäft um 18%. Die Fluglinien reagierten mit drastischen Personalkürzun-gen und Kapazitätsreduktionen. 2009 wird der weltweite Umsatz der Luftfahrtbranche vor-aussichtlich um 15% auf 455 Mrd. US-Dollar fallen. Mehr als zwei Drittel dieser Verluste werden asiatische und europäische Fluglinien zu verkraften haben. In den letzten Monaten zeichnete sich eine leichte Verbesserung ab – der Passagierverkehr lag im August 2009 um 6% über dem Tiefpunkt von März dieses Jahres. Jedenfalls dürfte der Flugverkehr nach ei-nem Rückgang um fast 7% ab 2010 wieder leicht zunehmen.
IT-Dienstleistungen: Begrenzter Schaden
Der Weltmarkt für Software und IT-Dienstleistungen repräsentiert 68% der weltweiten IT-Ausgaben. Nachdem sich die Branche vom Platzen der IT-Blase Anfang des Jahrzehntes erholt hatte, verzeichnete sie mehrere Jahre lang ein Umsatzwachstum von durchschnittlich mehr als 6% pro Jahr. Der Markt für Software- und IT-Dienstleistungen wird 2009 um 3% auf 635 Mrd. Euro sinken. Im Vergleich zu anderen Branchen kommen die IT-Dienstleistungen also glimpflich davon. Die strategische Bedeutung von IT-Investitionen für den Unterneh-menserfolg sollte der Branche eine rasche Erholung bescheren. Der Gesamtumsatz der Branche wird sich 2010 nur langsam erholen und bestenfalls um 1,5% auf 645 Mrd. Euro zunehmen, wovon die Schwellenländer am meisten profitieren sollten.
Halbleiter: Aufstieg einer neuen Macht
Der Halbleiter-Weltmarkt schrumpfte 2008 um 2,8% auf ein Volumen von 249 Mrd. US-Dollar. Der starke Einbruch der Nachfrage gegen Ende 2008, mit Kapazitätsauslastungen von nur 50%, hielt auch im 1. Quartal 2009 an. Dann spürten große Halbleiterhersteller in Taiwan, und in der Folge zunehmend auch andere Akteure, erste Anzeichen einer Erholung. Im Gesamtjahr 2009 dürfte der Weltmarkt um 15% schrumpfen, ein zwar deutlicher Rück-gang, aber nur halb so stark wie der Rekordeinbruch von 2001. Der Umsatz der Branche wird 2009 voraussichtlich 210 Mrd. Dollar erreichen, eine nicht ganz so schlechte Entwick-lung wie man hätte befürchten können. Mit der Erholung der Konjunktur wird der Halbleiter-markt 2010 um 10% wachsen und damit das Niveau von 2005 erreichen.
Wien, 15. Dezember 2009
Die Branchenprognosen von Euler Hermes basieren auf der Fachkompetenz der Kreditexperten und Analysten von Euler Hermes, die mit Hilfe lokaler Tochterunternehmen das Risiko von Unternehmen weltweit genau überwachen. Daraus ergibt sich eine qualitative Einschätzung einer Branche und ihrer Aussichten. Im Allgemeinen, wenn auch nicht in jedem Fall, inkludiert die Einschätzung eine Wachs-tumsprognose für die jeweilige Branche. Rentabilität und Liquidität werden aber höher bewertet als Umsatzwachstum.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: