„Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise gewinnen Länderrisiken eine komplett neue Dimension. Derzeit geht es buchstäblich drunter und drüber“, sagt Bettina Selden, Vorstand bei der Prisma Kreditversicherung. „Viele Länder sind mit schwindenden externen Finanzierungsquellen, der Rezession in den großen Volkswirtschaften und fallenden Rohstoffpreisen konfrontiert“. Diese Probleme werden durch den Liquiditätsengpass der Banken, Wechselkursvolatilität und den Rückzug von Auslandskapital verschärft.
PRISMA hat 2008 bereits 16 Länder herabgestuft
„Im Laufe des Jahres 2008 mussten wir die Länderratings von 16 Staaten herabsetzen. Darunter sind Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Litauen. Besonders heikel ist derzeit die Situation in Russland, Türkei und Ukraine“, so Selden weiter. Unter den aktuellen Bedingungen können sich die Risikostufen einzelner Länder rasch verändern und sollten daher von österreichischen Exporteuren genau verfolgt werden. Die Risikostufe eines einzelnen Landes repräsentiert seine Anfälligkeit gegenüber einer Verschlechterung seines Umfeldes und seine Fähigkeit, Stabilität zu bewahren.
Das Länderrating von PRISMA ist sechsstufig (AA, A, BB, B, C und D). AA ist die beste Bewertung, D die schlechteste.
| Österreich |
AA |
Südkorea |
A --> BB |
| Deutschland |
AA |
Ungarn |
B --> C |
| Italien |
AA |
Rumänien |
B --> C |
| Frankreich |
AA |
Bulgarien |
B --> C |
| Spanien |
AA |
Litauen |
B --> C |
| USA |
AA |
Guatemala |
B --> C |
| Tschechien |
A |
Jordanien |
B --> C |
| Slowenien |
A |
Island |
A --> D |
| Estland |
B |
Argentinien |
C --> D |
| Kroatien |
B |
Pakistan |
C --> D |
| Polen |
BB |
Vietnam |
C --> D |
| Slowakei |
BB |
|
|
| Bulgarien |
C |
|
|
| Ungarn |
C |
|
|
| Litauen |
C |
|
|
| Lettland |
C |
|
|
| Rumänien |
C |
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|
| Russland |
C |
|
|
| Türkei |
C |
|
|
| Bosnien Herzegowina |
D |
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|
| Weißrussland |
D |
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|
| Serbien |
D |
|
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| Ukraine |
D |
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|
Besonders gefährdete Länder sind derzeit Russland, Türkei und die Ukraine.
Russland: Liquiditätsengpass und Absturz der Ölpreise
Aktuelles Rating: C
Im Zuge der aktuellen Ländereinstufung rückt Russland auf der Watchlist ganz nach oben. Das Wirtschaftswachstum wird sich nach mehreren starken Jahren drastisch verlangsamen, und zwar von 6,1 % im Jahr 2008 auf 1,5 % im Jahr 2009. „Wir haben vor allem im vierten Quartal 2008 einen abrupten Einbruch der Industrieproduktion beobachtet. Der Konjunkturabschwung war von einem Kurssturz der Aktien börsenotierter russischer Unternehmen und einer Abwertung des Rubel begleitet“, so Selden.
Auch die Währungsreserven machen den Russen zu schaffen, sie haben sich seit August 2008 um mehr als 25 % verringert, und der Fall des Ölpreises wird sich signifikant auf das Budget und die Leistungsbilanz auswirken. „Bis dato haben wir Russland noch nicht herabgestuft. Wir müssen aber die Risiken in Zusammenhang mit dem Devisenmangel der Banken und Unternehmen sowie den niedrigen Ölpreis genauestens beobachten“.
Türkei: Hohe Inflation und geringe Währungsreserven
Aktuelles Rating: C
Die Türkei wird derzeit auch mit einem kritischen Auge beobachtet. Das Wirtschaftswachstum hat sich erheblich verlangsamt. „Das große Leistungsbilanzdefizit, die Abhängigkeit von kurzfristigen Kapitalflüssen und der starke Verfall der türkischen Lira bereiten uns Sorgen“, erklärt Selden. Auch die Währungsreserven sind gesunken. „Im Fall Türkei sehen wir derzeit noch von einer Herabstufung ab. Wir beobachten die Situation aber genau, einschließlich der Entwicklungen in Zusammenhang mit dem derzeit diskutierten IWF-Programm. Aufgrund der rasanten Entwicklungen können sich die Ratings täglich ändern“, sagt Selden.
Ukraine: Trübe Aussichten
Aktuelles Rating: D
Die Ukraine wurde von der Eskalation der weltweiten Finanzkrise im Oktober schwer in Mitleidenschaft gezogen. Ein drastischer Einbruch des Anlegervertrauens schickte die Börsen auf Talfahrt. Die rasche Hilfe des IWF konnte den Verfall der Hrywnja bisher nicht stoppen. „In der Ukraine kommt noch hinzu, dass die politische Instabilität die Umsetzung der vom IWF geforderten wirtschaftspolitischen Maßnahmen untergräbt“, so Selden.