Viele Unternehmen seien sich des Risikos für Zahlungsausfälle aber nicht bewusst, zitieren die beiden Kreditversicherungsvorstände eine Studie des Gallup-Instituts vom November. Demnach denken nur 35 Prozent der befragten Finanzmanager, dass die Forderungsausfälle für das eigene Unternehmen zunehmen werden. 42 Prozent verzichten zudem auf eine Forderungsabsicherung mittels Kreditversicherung, weil sie glauben, ihre Kunden zu kennen.
Die Realität sieht anders aus: Laut Insolvenzstatistik des Gläubigerschutzverbands Creditreform waren 2011 zwei Drittel der österreichischen Unternehmen zumindest von einer Insolvenz als Gläubiger betroffen. Die Verbindlichkeiten der Schuldner betrugen rund 2,5 Milliarden €.
Zu spät versichert
Bezeichnend sei, dass in Krisenzeiten wie 2008/09 den Kreditversicherern die Produkte "aus den Händen gerissen wurden", so Mertes. Kommt der Konjunkturaufschwung, werden diese aber oft wieder gestrichen. Schließt man eine Ausfallsversicherung erst in der Krise ab, kann es aber schon zu spät sein. Die Auswirkungen eines Forderungsausfalls werden unterschätzt, warnt Martes: "Bei einem Zahlungsausfall von 100.000 €muss ein Unternehmen -eine Umsatzrendite von fünf Prozent vorausgesetzt -satte zwei Millionen €Mehrumsatz machen, um diesen Ausfall wettzumachen."
Altenburger betont, dass die Wirtschaft viel volatiler geworden sei und unerwartete Risiken wie etwa politische Entwicklungen eine Rolle spielten. "Softfacts und politische Risiken werden von Unternehmen unterschätzt", so Altenburger, der davon ausgeht, dass die Unternehmen zunehmend in Drittstaaten exportieren werden. Gerade in solchen Regionen sei eine professionelle Bonitätsprüfung notwendig.
Wirtschaftsblatt am 13.01.2012