Obwohl sich die Zahlungsmoral tendenziell verschlechtert und die Insolvenzprognosen pessimistischer werden, denkt nur wenig mehr als ein Drittel der befragten CFOs, dass die Forderungsausfälle für das eigene Unternehmen zunehmen werden. Die restlichen 65 Prozent geben an, keine Probleme zu haben, wenn es um die Zahlungsmoral ihrer Kunden geht.
42 Prozent verzichten auf eine Forderungsabsicherung mittels Kreditversicherung, weil ihre Kunden immer zahlen und sie diese selbst am besten zu kennen glauben. "Die Finanzmanager betreiben da eine Art Vogel-Strauß-Politik: Sie wollen die Krisenvorzeichen nicht sehen und rechnen nicht damit, dass auch ihnen Auftragsrückgänge drohen. Dabei würde ein Blick auf die aktuelle Exportstatistik genügen", warnt Helmut Altenburger, Vorstand der OeKB Versicherung. Für ihn steht außer Frage: Umsatzsteigerungen könne man nur mehr über neue und riskantere Märkte generieren. Dazu bräuchten die Manager aber mehr als eine simple Büroauskunft. "Man sollte schon genau wissen, welchen Kunden man neu an Bord holt. Wir jedenfalls kennen diese neuen Märkte und in den allermeisten Fällen auch bereits die neuen Kunden", so Altenburger weiter.
Manager rechnen nicht nach, was ein Forderungsausfall kostet.
Die Hälfte der Befragten glaubt, im schlimmsten Fall einen Zahlungsausfall selbst tragen zu können. Und liegen damit vielfach falsch. Ludwig Mertes, Vorstand der Prisma Kreditversicherung, rechnet vor: "Bei einem Zahlungsausfall von 100.000 Euro, muss ein Unternehmen - eine Umsatzrendite von 5 Prozent vorausgesetzt - satte 2 Millionen Euro Mehrumsatz machen, um diesen Forderungsausfall wieder wett zu machen. Es ist also unverantwortlich zu glauben, dass man Forderungsausfälle ohne weiteres verkraften kann. Schließlich wissen wir, dass viele Pleiten in Österreich Folgeinsolvenzen sind. Ein Forderungsausfall kann ein Unternehmen schneller in den Abgrund reißen, als sich das die CFOs eingestehen wollen", so Mertes. Prisma und OeKB Versicherung schätzen, dass in Österreich allein 2011 mehr als 2 Milliarden Euro an Forderungen abgeschrieben werden mussten. Diese Summe entspricht ungefähr dem jährlichen Exportvolumen von Österreich nach China.
Der Krise entgegenwirken
Unternehmer schützen ihr Vermögen ganz selbstverständlich gegen Feuer oder Diebstahl. Den häufig größten Posten im Umlaufvermögen, die offenen Kundenforderungen, meint man nicht schützen zu müssen. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit eines Forderungsausfalles viel höher als etwa die eines Hallenbrandes.
"Die typischen Vorboten einer Krise sind da: Die Exporte gehen zurück, die Auftragslage in den Unternehmen ist ungewiss und die BIP Prognosen für 2012 werden nach unten korrigiert. Die Auswirkungen der Schuldenkrise oder der anhaltenden Ratingabstufungen sind derzeit so gut wie nicht vorhersehbar. Bankfinanzierungen werden aber sicher teurer und schwieriger. Das wirksamste Instrument zur Stabilisierung und Verbesserung der Liquidität des eigenen Unternehmens ist jedenfalls ein straffes Forderungsmanagement", so Altenburger und Mertes unisono.
Industriemagazin online, vom 16.01.2012