Die gewaltigen Gewitter des Vorjahres sind vorbei, die Wolken verziehen sich allmählich. "Nach der Erholung in der ersten Jahreshälfte können die meisten Branchen mit einem einigermaßen positiven Herbst rechnen", sagt Bettina Selden, Vorstand der Wiener Prisma Kreditversicherungs-AG, ein Tochterunternehmen des Euler-Hermes-Konzerns und der Kontrollbank. "Wir sind für Österreich vorsichtig optimistisch, insgesamt sind wir für Europa und die USA aber nicht euphorisch." Nachsatz: "Die Bauwirtschaft steht auch in Österreich unter Druck, der Konsum ist gut, aber in der Stahlbranche ist es nicht lustig und auch die Automobilindustriezulieferer leiden nach wie vor unter den geringeren Auftragsvolumen der Autohersteller."
Laut dem aktuellen Branchenbericht von Euler-Hermes kämpfen "Europa und die USA mit der hohen Staatsverschuldung und mit der gesunkenen Kaufkraft. Die Baubranche leidet unter der schwachen öffentlichen Nachfrage. Nur die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, deren weltweit größter Markt nach wie vor Europa ist, und die Pharmabranche erfreuen sich guter Wachstumsraten. Im Pharmabereich sind es jährlich fünf Prozent Zuwachs.
Apropos Nahrungsmittel: "In den Industrieländern greifen immer mehr Verbraucher zu billigeren Produkten und Eigenmarken", sagt Selden. "Der Preisdruck und die steigenden Rohstoffpreise zwingen große Konzerne, ihre Produktivität zu steigern."
"Die Automobilindustrie bleibt weiter ein Sorgenkind", weiß Selden. "Ein Wachstum ist in Zukunft vor allem in den Entwicklungsländern zu erwarten." Auch die IT-Industrie ist wieder bei einer Wachstumsrate von rund vier Prozent, nach einem Rückgang von 1, 6 Prozent im Vorjahr.
Grafik: WELTWIRTSCHAFTSKLIMA
"WirtschaftsBlatt" vom 27.08.2010