Anstieg in Europa
Im internationalen Vergleich schneidet Österreich damit recht gut ab, denn weltweit geht Euler Hermes, die internationale Mutter von Prisma, von einem Anstieg der Firmeninsolvenzen um drei Prozent aus, in Europa insgesamt sogar um zwölf Prozent.
Stark betroffen ist etwa Italien, wo von einer Zunahme um 15 Prozent ausgegangen wird. "Das trifft auch Österreich negativ, denn Italien ist nach Deutschland das zweitwichtigste Exportland", sagt Selden.
Zu den von Insolvenzen am stärksten betroffenen Branchen zählt der Transport. "Der Bereinigungsprozess geht weiter. Es sind zwar schon viele kleine Frächter in Konkurs gegangen, aber dieser Prozess wird sich noch fortsetzen", sagt die Prisma-Chefin. Ebenfalls unter Druck ist nach wie vor das Bau-und Baunebengewerbe. Wegen der hohen Staatsschulden haben die Regierungen die Ausgaben für Bau und Infrastruktur gesenkt. Auf dem Weg der Besserung ist hingegen der Einzelhandel. "Das Weihnachtsgeschäft ist besser gelaufen als erwartet, auch die Spannen waren über den Erwartungen", so Selden.
Zu den solidesten Branchen gehören Chemie, Pharmazie und die österreichischen Autozulieferer, die von der noch guten Nachfrage aus Deutschland profitieren.
Die österreichischen Firmen seien generell recht gut aufgestellt und auch seitens der Banken sei nicht mit Finanzierungsschwierigkeiten zu rechnen. "Kleine Unternehmen bekommen ihre notwendigen Kredite, die großen Unternehmen steigen teilweise auf alternative Finanzierungen um", sieht Selden keine Gefahr von der Finanzierungsseite. Allerdings seien die Kredite teurer geworden. So haben sich laut OeNB die Kreditrichtlinien für Firmenkunden im vierten Quartal wegen der Eintrübung der Finanzierungsbedingungen und der unsicheren Konjunkturaussichten weiter leicht verschärft. "Wir gehen von einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau aus"
Wirtschaftsblatt, 02. Februar 2012