In Österreich heuer um 5 Prozent mehr Pleiten
In Österreich sei heuer - trotz eines voraussichtlichen Wirtschaftsaufschwungs um 1,2 Prozent - noch ein Anstieg der Pleiten um 5 Prozent auf 7247 Fälle zu erwarten. Doch schon im kommenden Jahr soll die Zahl um 2 Prozent zurückgehen.
Entwarnung bedeute dies laut Prisma jedoch nicht: "Die weltweite wirtschaftliche Erholung hat unbestreitbar eingesetzt, wird aber kaum noch an Dynamik gewinnen", erwartet Prisma-Vorstand Ludwig Mertes. Dieser Konjunkturaufschwung reiche nicht überall aus, um auch die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sinken zu lassen.
Mit einem Anstieg der Pleiten ist vor allem im Süden Europas zu rechnen. Negativer Spitzenreiter ist Griechenland mit einem Zuwachs von 25 Prozent auf 813 Insolvenzen heuer und einem Plus von 10 Prozent auf 894 Fälle in 2011. Die vergleichsweise niedrige absolute Zahl der griechischen Insolvenzen erklärt sich aus der unterschiedlichen Nutzung des Insolvenzrechts. Nicht alle zahlungsunfähigen Firmen streben ein offizielles Insolvenzverfahren an, weiß Prisma-Pressesprecherin Melitta Schabauer. Die Dunkelziffer sei viel höher.
In Italien und Spanien sei erst 2011 mit einer Stabilisierung auf hohem Niveau zu rechnen. Heuer steigt dort die Zahl der insolventen Unternehmen wahrscheinlich noch um 14 respektive 10 Prozent.
Das Firmensterben in Italien, dem zweitwichtigsten Zielland für heimische Lieferungen, treffen die österreichischen Exporteure laut Prisma Kreditversicherung besonders hart. Starke Zuwächse stehen bis zum Jahresende auch noch Polen und Tschechien (beide plus 16 Prozent) ins Haus.
Europa komme nicht so richtig in Fahrt. Noch bremsen Beschäftigungsprobleme, Vorsicht beim privaten Konsum und zurückhaltende Investitionen von Unternehmen und öffentlicher Hand den Aufschwung, sagt Mertes.
Mit dem stärksten Rückgang der Insolvenzen könnten heuer die USA (minus 10 Prozent), Schweden und Großbritannien (beide minus 9 Prozent) sowie China und Japan (beide minus 8 Prozent) rechnen.
"Wiener Zeitung" Nr. 140 vom 22.07.2010