Heuer wird die Pleitewelle in Zentraleuropa erneut weiterrollen. Erst 2011 wird die Zahl der Firmenpleiten wieder rückläufig sein -abgesehen die drei Sorgenkinder Griechenland, Polen und Tschechien. "Das Wachstum muss aber weiter anziehen", sagt Melitta Schabauer, Sprecherin der Prisma Kreditversicheruns-AG.
Österreich befindet sich 2010 zwar mit einem prognostizierten Zuwachs von fünf Prozent auf 7247 insolvente Unternehmen im Mittelfeld von 20 untersuchten Ländern (siehe Grafik). "Das Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent reicht nicht aus, um eine Trendwende zu erzielen", so Schabauer. "Heuer rechnen wir noch mit vielen tiefroten Bilanzen, die durchwegs schlechter ausfallen werden als im Jahr 2008."
Krise aus im Norden
Im Gegensatz zu den "Musterknaben" in Skandinavien,- die Zahl der Pleiten ist dort rückläufig - hätten viele Unternehmen in Österreich nicht die Hausaufgaben gemacht, die für die Bewältigung der Krise notwendig wären, heißt es bei Prisma.
In Österreich sind besonders Unternehmen der Baubranche, der Gastronomie und Hotellerie sowie die Zulieferindustrie gefährdet, die außerdem von den Exportmärkten in Deutschland und Italien abhängig sind.
Zahlungsmoral
Ein Problem sei in Österreich zudem die Zahlungsmoral. In Skandinavien würden laut Schabauer die Zahlungsziele von 35 bis 40 Tagen konsequent eingehalten. In Italien müsse man im Gegensatz froh sein, nach 150 Tagen einen Zahlungseingang zu registrieren.
Problemkind Nr. 1 bleibt auf lange Sicht Griechenland. Aber auch in Tschechien und Polen müsse man mit einer weiteren Zunahme von Pleiten rechnen. Schabauer: "In Osteuropa werden Insolvenzordnungen noch liberal ausgelegt -und auf einmal sind Firmen verschwunden."
"WirtschaftsBlatt" vom 22.07.2010