PRISMA Studie SEE

Generell positives Wirtschaftsklima in den SEE-Ländern wird überschattet von kroatischer Agrokor-Krise

Als regionaler Partner von Euler Hermes verantwortet ACREDIA aktuell ein Versicherungsvolumen im Wert von 3,5 Milliarden Euro in sechs ehemaligen jugoslawischen Ländern, mit circa 11.000 Unternehmen der Region. Davon verzeichnen Slowenien und Kroatien mit mehr als zwei Drittel den größten Anteil. Das restliche Drittel teilen sich Serbien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Montenegro.

Risikobeurteilung in Südosteuropa

In ihrer Tätigkeit vor Ort hält sich ACREDIA an die Devise „Credit is local“: „Man kann ein Unternehmen in Kroatien oder Serbien nicht mit denselben Standards bewerten, wie ein österreichisches Unternehmen. Wir achten sehr stark auf die lokale Mentalität, lokale Handelsbräuche und das übliche Geschäftsgebaren. Natürlich spielt auch die volkswirtschaftliche und politische Bewertung des Landes eine Rolle, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob und in welchem Ausmaß ein Unternehmen versichert werden kann oder nicht“, so die ACREDIA Ökonomin und Risiko Expertin Gudrun Meierschitz. Eine eigene Tochtergesellschaft in Serbien unterstreicht die lokale Vernetzung in dieser Region.

PRISMA Südosteuropa Wirtschaftsindex 2017

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut GfK entwickelt. Untersucht werden Stimmungen und Einschätzungen zu den wirtschaftlichen Entwicklungen, der Exportsituation und den Investitionsvorhaben. In einem Panel werden Unternehmerinnen und Unternehmer in Kroatien, Serbien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina und Österreich befragt.

Dabei zeigt sich über die vergangenen drei Jahre in den SEE-Ländern eine positive Entwicklung des Wirtschaftsklimas. Serbien hat in allen drei Jahren die positivsten Gesamtwerte erzielt und ist damit wiederholt besser als sein Ruf. „Auch wir merken in den letzten Jahren einen kontinuierlichen Anstieg von Kreditprüfungsaufträgen für serbische Unternehmen. Das heißt, ausländische Lieferanten wagen sich immer mehr und immer öfter an Serbien als Exportmarkt heran“, so Meierschitz. An zweiter Stelle finden sich heuer Slowenien und Bosnien. Slowenien hat seit Beginn der Umfrage den deutlichsten Zugewinn erreicht. Das bestätigt auch die tägliche Praxis der ACREDIA-Expertin: „Die slowenischen Unternehmen und die slowenische Wirtschaft haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert.“ Interessant sind die Ergebnisse für Bosnien: Die guten Gesamtwerte entsprechen nicht der wirtschaftlichen Realität.

Das Sorgenkind bleibt weiterhin Kroatien. Dazu Gudrun Meierschitz: „Das liegt meiner Meinung nach eindeutig an den Umständen zum Befragungszeitpunkt im Februar, denn da steckte Kroatien schon mitten in der Krise rund um das größte kroatische Privatunternehmen Agrokor. Es handelt sich dabei immerhin um den führenden Lebensmittel-Einzelhandelskonzern und Lebensmittelproduzent der Region.“

Markteinschätzung: Anforderungen an Analysekompetenz steigen

Die aktuellen Geschehnisse in Kroatien untermauern, wie wichtig eine Kreditversicherung ist, um die eigene Existenz zu sichern. Noch vor wenigen Monaten als „too big to fail“ eingestuft, sind mittlerweile die vier Nachbarländer – Serbien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro – mit der Aufarbeitung der Schuldenkrise beschäftigt. Mit tausenden Angestellten, einem beachtlichen Anteil an der kroatischen Wirtschaftsleistung sowie mit einer immensen Verflechtung im Land und in der Region stehen jetzt zahlreiche Zulieferanten im In- und Ausland vor einer herausfordernden Situation: Sie wissen nicht, ob und wann sie alle ihre Forderungen bezahlt bekommen und wie sie einen eventuellen Umsatzrückgang mit ihrem Hauptkunden kompensieren sollen.

„Tatsächlich zeigt der Fall Agrokor, dass im Rahmen unserer Tätigkeit als Kreditversicherer die Analysekompetenz zur Markteinschätzung immer wichtiger wird: Derzeit sind wir laufend damit beschäftigt, die möglichen Konsequenzen und Dominoeffekte einzuschätzen. Wir analysieren, wo auf der Ebene der Zulieferer von Agrokor Insolvenzen passieren können, damit wir unsere Kunden auch vor diesen Schäden bewahren. Für uns ist es bei dieser Aufgabe besonders wichtig, hier mit Maß und Ziel vorzugehen und trotz der schwierigen Situation weiterhin risikobewusste und angemessene Deckungen zur Verfügung zu stellen“, unterstreicht Meierschitz abschließend die hauseigene Expertise.

Hier finden Sie den Link zur PRISMA-Studie "PRISMA Südosteuropa Wirtschaftsbarometer 2017"


12. Mai 2017

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